Die Sage vom dreibeinigen Hasen

Es ist vielleicht noch nicht jedem Lampadener bekannt: Auf den Äckern und in den Hecken um die Ortschaft Lampaden herum lebt ein Hase, der, auf welche Weise auch immer, ein Bein verloren hat. Wehe jedoch demjenigen, dem sich der „dreibeinige Hase― zeigt! Demjenigen droht ein Unglück und man muss schon alle Kraft aufbieten, einem Schicksalsschlag zu entgehen. Einige Lampadener Jungen wissen davon zu erzählen. Eines schönen Tages spielten sie auf einer Wiese, gelegen am Waldrand. Sie liefen einander nach, tollten und tobten und kletterten um die Wette. Bis einer auf die ausgefallene Idee kam, mit Hilfe eines Strickes eine Mutprobe zu bestehen. Einem der Jungen wurde die Schlinge des Strickes um den Hals gelegt und fest angezogen. Es ging nun darum, möglichst lange diesen Zustand auszuhalten. Einer der Jungen zählte und der Betroffene hob die Hand, wenn er aufgeben wollte. Dann wurde schnell der Strick gelockert und entfernt. Gerade nun waren sie dabei, einem von ihnen den Strick anzulegen und hatten ihn auch schon fest angezogen, als sich ihnen ein Hase näherte. Unbeholfen humpelte er durch die Gegend und machte auf sich aufmerksam. Die Jungen glaubten nun, leichtes Spiel mit dem Hasen zu haben und ihn fangen zu können. Hierüber vergaßen sie den bereits angelegten Strick und ließen ihren „Prüfling“ stehen. Sie selbst liefen dem Hasen nach, der nicht weglief, sondern sie durch Zickzacklaufen nur weiter fortlockte. Plötzlich fiel einem der Jungen der Freund wieder ein. Er lief sofort zu diesem zurück und fand ihn blau angelaufen und unter Atemnot vor. Er löste schnell den Strick und es gelang ihm, seinen Freund wieder zum Atmen zu bringen. So gelang es diesmal dem dreibeinigen Hasen nicht, bleibendes Unheil zu stiften. Doch umherstreunen soll er immer noch.

(Quelle: "Lampaden im Rückblick" eine Ortschronik von Hans Muth)