Die Sage von den Dachslöchern oder Das Riesengemach von Lampaden

Vom Ruwertal aufwärts, durch den dichten Wald im Ortsteil Geisemerich, auf dem Besitztum Vitus Dier, befinden sich die geheimnisumwitterten „Dachslöcher“, wie sie von den Dorfbewohnern genannt werden. Sie gleichen zerfallenen Stolleneingängen und kaum jemand glaubt, dass diese Löcher von Dachsen gebaut wurden oder gar von ihnen bewohnt werden. Schon in früheren Zeiten gingen die verschiedensten Gerüchte um diese „Dachslöcher“― umher und niemandem gelang es, den Schleier des Geheimnisses zu lüften. Bis zu jenem Tag, als sich einer ein Herz fasste und entschlossen war, der Sache auf den Grund zu gehen: der Förder Hans. Hans hatte das Herz auf dem rechten Fleck und Angst, die kannte er eigentlich nicht, bis jetzt nicht! Nachdem er sein Tagewerk beendet hatte, machte er sich auf und begab sich zu der Stelle, wo versteckt hinter Wald und Gestrüpp, die ihm teilweise den Weg versperrten, diese geheimnisvollen Löcher geradezu aufforderten, ihr Geheimnis zu lösen. Hans räumte den Eingang eines der Löcher, hierzu hatte er sich das größte ausgesucht, von Steinen und Geröll und machte sich daran, dem sich ihm nun bietenden langen Gang zu folgen. Sein Herz klopfte und er war nahe daran aufzugeben und sich eiligst davonzumachen, als seine Hand gegen etwas Hartes Metallenes stieß. Es war eine Türe, die halb offen stand. Er stieß sie leise auf und ihm stockte der Atem. Inmitten eines großen Raumes stand auf einem Tisch ein goldenes Kalb, welches in seinem Glanz erstrahlte. Und um den Tisch herum, eine eiskalte Hand schien nach seinem Herzen zu greifen, saßen sieben Riesen mit langen Haaren und wallenden Bärten, bewaffnet mit Schwertern und langen Spießen und Angst einflößenden Blicken. Schnell und ohne ein Geräusch zu verursachen, begab sich Förder Hans rückwärts dem Ausgang zu und rannte dann, was das Zeug hielt, nach Hause. Er hütete in Zukunft sein Geheimnis und gab es erst kurz vor seinem Tode seinem Sohn preis. Dieser versuchte, den geheimnisvollen Gang zu finden. Es gelang ihm jedoch nie.

 

(Quelle: "Lampaden im Rückblick" eine Ortschronik von Hans Muth)