Wenn die Seele müde ist ...

Wenn die Seele müde ist - Was Sie über Depressionen wissen sollten

 

Auch für mich, Günter, ist die Krankheit mittlerweile seit 5 Jahren ein treuer, gehasster Begleiter. Diese Seiten dienen der Information von ebenfalls Betroffenen und deren Angehörigen, und sind für mich eine Möglichkeit sowie ein erster Schritt mit der Krankheit umzugehen. Nach und nach werde ich die Inhalte erweitern und ergänzen.

 

Was sind Depressionen?

Sie gehört zu den größten Volksleiden und wird dennoch am meisten unterschätzt. Wo hört die Melancholie auf und wo fängt die Depression an? Eine Depression kann jeden treffen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer solchen Erkrankung. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen an einer Behandlungsbedürftigen Depression, von der allerdings nur eine Minderheit eine optimale Behandlung erhält. Aber wie erkennt man die Krankheit? Und was können Betroffene und Angehörige tun?

Wie erkennt man eine Depression?

Bei einer Depression kommen mehrere Krankheitszeichen zusammen. Bestehende Probleme werden vergrößert wahrgenommen und ins Zentrum des Lebens gerückt. Man kann sich über nichts mehr freuen, auch positive Dinge erreichen einen nicht. Wegen eines permanenten Erschöpfungsgefühls haben Betroffene große Schwierigkeiten, auch kleine Dinge zu erledigen. Sie schlafen schlecht und grübeln viel. Oft empfinden Betroffene große Hoffnungslosigkeit, viele machen persönliches Versagen für ihren Zustand verantwortlich. Bei schweren Verläufen fühlt der Betroffene gar nichts mehr. Innere Leere und das Gefühl von Sinnlosigkeit sind bei vielen vorherrschend.

Wie viele Menschen sind in Deutschland von einer Depression betroffen?

Die Depression gehört zu den häufigsten und auch zu den am meisten unterschätzten Krankheiten. Sie zählt zu den größten Volksleiden. In Deutschland sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung betroffen - das entspricht rund vier Millionen Menschen.

Sind Depressionen nachvollziehbare Reaktionen auf schwierige Lebensumstände?

Nein. Ganz wichtig ist es zwischen einer depressiven Verstimmung (zum Beispiel nach Verlusterlebnissen) und einer echten Depression zu unterscheiden", sagt Professor Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in einem Gespräch. "Wenn man sich nach Schicksalsschlägen oder Misserfolgen mal für einige Tage müde, niedergeschlagen oder traurig fühlt, so ist das Teil des oft auch bitteren Lebens und keine Erkrankung. Derartige Verstimmungen werden nach einiger Zeit von besseren Gefühlen abgelöst", so Hegerl weiter. Halten diese Symptome allerdings länger als zwei Wochen an, dann sollte man einen Arzt aufsuchen.

Wie merken Familienmitglieder, dass jemand in ihrem Umfeld depressiv ist?

Wenn Angehörige merken, dass der Partner sich zurückzieht, nicht mehr lacht, vielleicht nicht mal mehr weinen kann, dann ist sehr wichtig, dass sie den Betroffenen motivieren, sich Hilfe zu holen. Laut Professor Hegerl ist es für den Erkrankten selbst nicht leicht, zu erkennen, dass es eine Depression ist. Viele Erkrankte glauben, das ist die Überforderung bei der Arbeit oder der Konflikt in der Familie. Ein erster Schritt, um zu erfahren, ob man an einer Depression leidet, kann ein Selbsttest im Internet sein, der den Besuch beim Facharzt und eine ärztliche Diagnose aber nicht ersetzt.

Kann man einer Depression vorbeugen? Zum Beispiel, indem man Stress verhindert?

Stress an sich macht nicht automatisch depressiv. Auch wenn Dauerstress ungesund ist und als ernstzunehmender Faktor für die Entstehung einer Depression gilt, reicht er als Ursache für die Entstehung einer Depression nicht aus. Leute, die in Hochleistungsbereichen arbeiten, werden nicht häufiger depressiv als Leute, die das nicht machen. Menschen mit Teilzeitbeschäftigung werden offensichtlich nach Statistik eher depressiv als Leute, die Vollzeit beschäftigt sind. Auch das Gegenteil von Stress, nämlich Langeweile und ein Defizit an Aufgaben kann ein Faktor für das Auslösen einer Depression sein. Das Gefühl der Überforderung ist jedoch bei der Mehrheit der Menschen mit Depressionen vorherrschend, egal, ob der Erkrankung eine tatsächliche Überforderung vorausgegangen ist oder nicht.

Hilft ein langer Urlaub, eine Auszeit?

Bei depressiv Erkrankten bessern sich die Erschöpfung und die anderen Krankheitszeichen nicht durch eine mehrwöchige Auszeit oder Urlaub. Die Depression reist nämlich mit. Bei einigen Betroffenen kann die vermeintlich schönste Zeit des Jahres sogar dazu führen, dass die Symptome als noch unerträglicher wahrgenommen werden. Selbst eine Krankschreibung bei Depression ist nicht für jeden Betroffenen hilfreich. Die Symptome einer Depression können sich bei zu viel Ruhe sogar verstärken.

Wie lässt sich die Krankheit dann behandeln?

"Es gibt heutzutage gute Behandlungsmöglichkeiten", erklärt Professor Hegel. "Zum einen sind das Antidepressiva, die nicht süchtig machen, was viele Menschen glauben, und die auch nicht die Persönlichkeit verändern. Die wirken allerdings auch nicht sofort. Da muss man etwa zwei Wochen warten, bis man die positiven Effekte merkt. Das andere sind Psychotherapien. Insbesondere das Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie hat seine Wirksamkeit in guten Studien ausreichend belegt. In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es um das Hier und Jetzt, zum Beispiel um Tagesstrukturierung und das Unterbrechen von negativen Grübelschleifen."

Wie hoch ist die Gefahr eines Rückfalls?

Experten gehen davon aus, dass man eine Veranlagung für die Krankheit hat und damit auch ein erhöhtes Risiko, später erneut depressiv zu werden. Deswegen ist es laut Professor Hegel von großer Wichtigkeit, nach der ersten Episode möglichst viel zu lernen, um Frühzeichen zu erkennen und entsprechend zu handeln.