Die Feuerkugel im Kümmelwald

Im Kümmelwald ist's nicht geheuer, weiß eine alte Zerfer Sage zu erzählen. Der einsame Fuhrmann, der schon kurz nach Mitternacht mit seiner Fuhre aufgebrochen war, um rechtzeitig am Morgen in Trier zu sein, durchlebte bei seinem einstündigen Weg durch diesen Wald gar böse Stunden. Denn plötzlich geschah es! Auf der Höhe glomm eine Feuerkugel auf, wurde größer und größer, und schon schwebte sie hernieder, unaufhaltsam dem Fuhrwerk entgegen. Dem Fuhrmann stockte der Atem. Schon war die Kugel greifbar nahe vor ihm, da zerplatzte sie mit lautem Knall zu einer Unzahl von Flammen. Die Pferde scheuten und zerrten an den Strängen und drohten auszubrechen. Nur mit letzter Mühe behielt der Fuhrmann sie in der Gewalt. Und immer noch tanzten die Flammen ihren unheimlichen Reigen. Gott sei Dank! Der Wald lichtete sich, die Flammen verloren langsam ihren Feuerglanz, wurden schwächer und verloschen ganz. Bauer und Pferde aber lösten sich erst allmählich vom Banne des Grauens.

(Quelle unbekannt)